Ratgeber

Comeback von Lance Armstrong: Perverse Freakshow oder Kampf gegen Krebs?

By

on

Der Radsport siecht dahin, Sponsoren ziehen sich zurück, doch nun tritt der Heilsbringer wieder in die Pedale: Lance Armstrong, siebenmaliger Sieger der Tour de France, feiert drei Jahre nach dem Karriereende sein Comeback in Australien. Armstrong, der für Astana, die rollende Apotheke Kasachstans, fährt, kaschiert seine perverse Freakshow mit dem Mäntelchen des Kampfes gegen Krebs. Ein Comeback, das ein Rückschritt für eine ohnehin scheintote Sportart ist.

Es liegt an Armstrong: Bei der Down Under Tour haben sich doppelt so viele Journalisten akkreditiert wie im vergangenen Jahr. Der 37-Jährige, der austrainiert wirkt, sagte: „Ich habe drei Jahre damit zugebracht, auf der Couch zu sitzen und Bier zu trinken.“ Dann brach der Missionar in dem Texaner durch, 1274 Tage sind vergangen seit dem 24. Juli 2005, als Armstrong letztmalig ein Rennen fuhr, die letzte Etappe der Tour de France: „Seither sind 27,5 Millionen Menschen an Krebs gestorben. Das ist eine erschütternde Zahl. Als wären alle Einwohner Australiens einfach weg.“ Doch Rettung naht.

Die Rettung heißt „Livestrong“, die Krebsstiftung, die Armstrong 1997 gründete, ein Jahr, nachdem Hodenkrebs bei ihm diagnostiziert wurde. 300 Millionen Euro hat Armstrong gesammelt, noch lange nicht genug: „Ich will diese Botschaft um die Welt tragen“, sagte Armstrong mit dem ihm eigenen Größenwahn. Das Comeback mit dem Kampf gegen Krebs zu verbinden ist geschickt, denn es lenkt vom Sport ab und vom Doping.

So verkündete Armstrong, der sich beharrlich weigert, seine positiven Dopingproben von 1999 noch einmal untersuchen zu lassen, großspurig ein Selbsttestprogramm mit Don Catlin, einem renommierten Experten in Sachen Doping. Allerdings bezahlt ihn Armstrong selbst, was nicht gerade für Unabhängigkeit spricht, und von den Blutwerten, die im Internet veröffentlicht werden sollen, fehlt auch noch jede Spur.

Aber das ist eigentlich egal, denn wer kann den Radsport noch ernst nehmen? Der Tagesspiegel bemerkte: „An einen ungedopten Tour-Sieger glauben ohnehin nur noch hoffnungslose Romantiker oder notorische Ignoranten.“ Vorhang auf für Armstrong, der zugleich Artist, Clown und Zirkusdirektor ist. Zirkus Armstrong – verlängert wegen großen Erfolgs.

Auch interessant

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.