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Die Lehren aus dem Großen Preis von Großbritannien

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Silverstone – Lewis Hamilton ist wieder in Titelform, und sein Mercedes wird immer beherrschbarer. Für Sebastian Vettel liegt ein entscheidender Faktor auch nach dem Großen Preis von Großbritannien im Kampf um die besten Startplätze – eine Silberpfeil-Domäne.

Nur noch einen Punkt führt der Ferrari-Pilot im Formel-1-Klassement vor Silverstone-Sieger Hamilton. Dessen Teamkollege Valtteri Bottas ist bis auf 23 Zähler rangekommen.

IMMER WIEDER DIE REIFEN

Vettel bemühte sich um Zurückhaltung, direkt anklagen wollte er Hersteller Pirelli nicht. An seinem Wagen und am Auto von Kimi Räikkönen hielt der linke Vorderreifen kürzer als erwartet und laut Vettel auch vorhergesagt. Es sei wirklich sehr bedauerlich, erklärte Hersteller Pirelli und kündigte eine genaue Analyse zusammen mit dem Team an. Interessant ist, dass zu Saisonbeginn eher Rivale Mercedes Probleme mit den Reifen hatte und Ferrari dank einer clevereren Teststrategie im vergangenen Jahr im Vorteil war. Klar ist, dass es letztlich mitentscheidend sein wird im langen WM-Kampf, wer dauerhaft am besten mit den Reifen umgeht.

MERCEDES HAT DIE DIVA IMMER BESSER IM GRIFF

Der Silberpfeil wird wieder zum Siegerpfeil, selbst wenn es nach Hamiltons Getriebetausch in Österreich nun Bottas erwischte. Drei der vergangenen vier Rennen gewann Mercedes – zweimal Hamilton, einmal Bottas. Immer besser bekommen die Fahrer mit ihren Ingenieuren und Mechanikern das Setup hin, um die Power des stärksten Motors im Feld auch optimal auf die Strecke zu bringen. Weil das zu Saisonbeginn mit dem Wagen noch nicht so ganz klappte, hatte Teamchef Toto Wolff ihn auch schon als Diva bezeichnet. Derzeit zeigt sie schon von ihrer guten Seite.

DER NEUE FERRARI-MOTOR REICHTE NICHT

Die angeblich 15 PS mehr durch den neuen Motor reichten auf dem Hochgeschwindigkeitskurs, auf dem 70 Prozent mit Vollgas gefahren werden, nicht. Selbst ohne die Reifenschäden an den Autos von Vettel und Kimi Räikkönen (3. Platz) war ein Sieg für Ferrari in Silverstone nicht drin. Maßgeblich für den weiteren Saisonverlauf hält Vettel weiterhin die Qualifikation. «Da holen sie drei bis sechs Zehntelsekunden gegen uns auf den Geraden raus», sagte er. «Das schaffen wir nicht. Wir arbeiten daran, es geht aber nicht über Nacht.»

HAMILTON BRAUCHT SEINE FREIHEITEN

Sein Chef hat es gesagt: «In Frage zu stellen, ob ein dreimaliger Weltmeister, der auch noch dabei ist, Michael Schumachers Pole-Rekord zu schlagen, sich richtig vorzubereiten versteht, ist eine Beleidigung.» Entsprechend gewährt Toto Wolff Formel-1-Superstar Hamilton die nötigen Freiheiten. Dazu gehörte auch der Party-Ausflug nach Mykonos vor dem Heimrennen, das Hamilton zum insgesamt Fünften mal gewann.

VETTEL BRAUCHT WIEDER MEHR PUNKTE

Nach Vettels bisher letztem Sieg – Großer Preis von Monaco – hat Hamilton 24 Punkte aufgeholt. Zwei Siege, einmal Vierter einmal Fünfter, so die Bilanz des Briten in den vergangenen vier Rennen. Vettel wurde einmal Zweiter, zweimal Vierter und nun in Silverstone Siebter. An eine Trendwende zur Saisonhälfte glaubt Hamilton aber nicht. «Es gibt Strecken, auf denen Ferrari stark ist und es gibt welche, auf denen wir es sind.» Und es gibt Strecken, die liegen Hamilton einfach persönlich. So wie der Hungaroring, wo in zwei Wochen Saisonrennen Nummer elf steigt.

RICCIARDO HAT’S AUCH DRAUF

Startplatz 19 wegen diverser neue Teile in seinem Red Bull. Rennplatz fünf. Nur Hamilton und Bottas, sowie Räikkönen und sein eigener Red-Bull-Teamkollege Max Verstappen kamen vor Daniel Ricciardo ins Ziel. Natürlich profitierte der australische WM-Vierte auch vom Vettel-Pech. Ricciardo schloss von seiner Leistung aber nahtlos an seine vergangenen Rennen mit einem Sieg und vier dritten Plätzen an. «Irgendwie bin ich Fünfter geworden. Es hat Spaß gemacht», sagte er – und grinste mal wieder.

HÜLKENBERG IST RENAULTS PUNKTEVERSICHERUNG

Zum fünften Mal schaffte es Nico Hülkenberg in seinem ersten Jahr bei Renault in die Top Ten. Als Sechster kam er nach Vettels Reifenplatzer noch vor dem WM-Spitzenreiter ins Ziel. Dabei musste der 29 Jahre alte Rheinländer am Ende alles geben. Sein Motor verlor an Leistung. Als Gewinn erwies sich der neue Unterboden an seinem Renault. Und: «Wir kriegen noch weitere neue Teile. Ich bin recht optimistisch.» Sein britischer Teamkollege Jolyon Palmer, ohnehin noch recht erfolgssuchend, konnte wegen eines technischen Defekts auf der Einführungsrunde bei seinem Heimrennen gar nicht starten.

Fotocredits: Tim Goode
(dpa)

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