Olympia

Favorit Tasiadis zeigt Nerven und verpasst Medaille

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Rio de Janeiro – Sideris Tasiadis riss den Mund weit auf und blickte gespannt auf die Anzeigentafel, dann machte sich große Enttäuschung in seinem Gesicht breit. Der haushohe Favorit zeigte im Finale der Slalom-Kanuten Nerven und paddelte im Wildwasserkanal klar an einer Medaille vorbei.

3,73 Sekunden fehlten dem 26-jährigen Augsburger, der vor elf Monaten mit dem Tod seiner Freundin einen schlimmen Schicksalsschlag erlebt hatte, im Endlauf bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro auf den französischen Olympiasieger Denis Gargaud Chanut. Damit belegte Tasiadis nur den fünften Platz. Der Slowake Matej Benus und der Japaner Takuya Haneda paddelten im Whitewater Stadium auf die Plätze zwei und drei.

«Ein leichter Fehler hat mir die Medaille gekostet. Ich war zu hektisch in dem Augenblick. Ich bin schon enttäuscht», sagte Tasiadis nach seinem Malheur.

Auf dem anspruchsvollen Parcours konnte Tasiadis nicht an seine starken Vorleistungen anknüpfen. Der Olympia-Zweite von London touchierte ein Tor und bekam dafür zwei Strafsekunden, was ihn komplett aus dem Konzept brachte. Nicht einmal eine Medaille sprang noch heraus. Damit muss Deutschland weiter auf den ersten Olympiasieg im Canadier-Einer seit dem Triumph von DDR-Athlet Reinhard Eiben 1972 in München warten.

Mit der Goldmedaille wollte sich Tasiadis belohnen, nachdem er ein schweres Jahr zu bewältigen hatte. Im Herbst war seine Freundin Claudia Bär, ebenfalls eine Slalom-Kanutin, an Krebs gestorben. Danach hatte sich auch Tasiadis Ablenkung durch noch größeren Trainingseifer verschafft, schon die national umkämpfte Rio-Qualifikation packte er im Frühjahr mühelos. «Vielleicht hat Sideris gerade durch diesen Schicksalsschlag einiges zulernen können in der Hinsicht, was ein Leistungssportler braucht, um erfolgreich zu sein», sagte Verbandspräsident Thomas Konietzko. Tasiadis habe das zu Ende bringen wollen, was Claudia sich immer für ihn erträumt habe.

Es sollte nicht reichen. Dabei hatte sich Tasiadis fokussiert und zugleich locker im Auftreten die gesamte Zeit in Rio präsentiert. Eine Kostprobe hatte es im Halbfinale gegeben, als er bei besten Bedingungen die Konkurrenz weit hinter sich gelassen hatte. «Das war wahnsinnig souverän. Er scheint es wissen zu wollen heute», schwärmte Konietzko da noch. So ging Tasiadis wie in London als Letzter ins Finale, und wieder konnte er den guten Halbfinal-Lauf nicht bestätigen. 2012 war er von seinem Vorbild Tony Estanguet, dem dreimaligen Olympiasieger aus Frankreich, besiegt worden. Diesmal wurde er gleich von vier Athleten überholt.

Die deutschen Slalom-Kanuten erlebten damit einen Fehlstart ins olympische Turnier. Die erste von vier möglichen Medaillen ist dahin. Bereits am Mittwoch will es Hannes Aigner (Augsburg) im Kajak-Einer der Männer besser machen. Auch die weiteren Schützlinge von Bundestrainer Michael Trummer haben den Sprung in die nächste Runde geschafft. Europameisterin Melanie Pfeifer hatte allerdings am Montag als Vorlauf-14. im Kajak-Einer mehr Mühe als erwartet. Die Weltmeister Franz Anton und Jan Benzien schafften es im Canadier-Zweier zur viertbesten Vorlaufzeit.

Fotocredits: Felix Kästle
(dpa)