Olympia

Geher Tallent: Wieder kein Gold in Echtzeit

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Rio de Janeiro – Der Slowake Matej Toth hat in Rio de Janeiro Olympia-Gold über 50 Kilometer Gehen gewonnen – und damit ein Happy End für den schon so oft von Konkurrenten betrogenen Jared Tallent verhindert.

Der 31-jährige Australier kam wie vor vier Jahren in London als Zweiter ins Ziel. Erst im Juni dieses Jahres hatte er Gold für 2012 nachgereicht bekommen. Der damals siegreiche Russe Sergej Kirdjapkin wurde später des Dopings überführt und disqualifiziert. Ein Olympiasieg in Echtzeit blieb Tallent auch dieses Mal verwehrt.

«Ich wollte gewinnen. Das war mein Ziel, nachdem, was in London geschehen ist, dafür, dass ich die Goldmedaille so spät bekommen habe», sagte Tallent. «Ich wollte Olympiasieger sein für mehr als nur ein paar Monate.»

Weltmeister Toth siegte in 3:40:24 Stunden, der lange führende Tallent benötigte 3:41:16 Stunden. «Heute war es sehr hart. In Peking war es auch heiß, aber ich denke hier war es viel, viel schlimmer», klagte der Olympiasieger. Bronze ging an den Japaner Hirooki Arai.

Die deutschen Starter kamen erst gar nicht ins Ziel: Der Potsdamer Hagen Pohle war nach der Hälfte, Carl Dohmann aus Baden-Baden nach drei Viertel der Strecke ausgestiegen. Favorit Yohann Deniz sorgte für eine Schreckszene: Der dreimalige Europameister aus Frankreich sackte auf der Strecke zusammen, machte kurz darauf aber weiter und kam als Achter an.

Kaum ein Leichtathlet hat in den vergangenen Jahren so unter gedopten Konkurrenten gelitten wie Tallent: In der Ergebnisliste der WM 2011 ist vom dritten auf den zweiten Platz gerutscht, weil der Russe Sergej Bakulin überführt wurde. Für die WM 2013 wurde ihm als ursprünglich Vierter nachträglich Bronze zugesprochen. Im diesjährigen World Race Cup belegte er Rang zwei. Der italienische Sieger Alex Schwazer ist als Wiederholungstäter inzwischen für acht Jahre gesperrt.

Das australische Olympia-Komitee hat im Juni für Tallent eine Siegerehrung für 2012 abgehalten – auf den Treppen vor dem Parlament in Melbourne. Bei Regen, vor 1000 Zuschauern, während die Hymne erklang. «Es war ein besonderer Moment», sagte er später. «Aber nie so, wie es an diesem einen Tag in London hätte sein sollen.» Dass er Olympiasieger von 2012 ist, hatte er im März zuhause vor dem Computer sitzend erfahren. Da wartete er auf das Urteil des Internationalen Sport-Gerichtshofs CAS.

Es gibt ein rührendes Foto, wie Tallent im Garten eines Freundes danach die Medaillenzeremonie nachspielt. «Gold am Gartenschlauch», titelte kurz vor den Spielen die «Süddeutsche Zeitung» über einen der größten Betrogenen des Sports.

Fotocredits: Facundo Arrizabalaga
(dpa)

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