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Greipel und Gaviria zurückgestuft – Tony Martin gestürzt

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Amiens – Altmeister André Greipel hat sich am Samstag in Amiens in einem chaotischen Sprint um den Sieg betrogen gefühlt. Olympiasieger Greg Van Avermaet verteidigte am französischen Nationalfeiertag sein Gelbes Trikot.

Der Belgier wird sich damit am Sonntag als Gesamtführender auf die Reise nach Roubaix machen, wo er 2017 den Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix gewann.

Nach 181 Kilometern musste sich Greipel im Ziel der achten Etappe der 105. Tour de France zunächst mit Rang zwei hinter dem erneut triumphierenden Dylan Gronewegen aus den Niederlanden zufrieden sein. Doch die Jury reagierte schnell auf das Grangel zwischen dem 35 Jahren Routinier aus Hürth und dem formal drittplatzierten Fernando Gaviria. Beide Fahrer verloren ihre Plätze im Tagesklassement und wurden auf die Plätze 92 und 93 zurückgestuft.

«Ich bin durch Gaviria klar um den Sieg gebracht worden. Er ist mir zweimal in die Linie gefahren und hat mit dem Kopf gestoßen – mal sehen, was die Jury sagt», klagte ein aufgebrachter Greipel, der 2015 die Tour-Etappe in Amiens gewonnen hatte. Aber das war wahrscheinlich nur die halbe Wahrheit. Der Kolumbianer Gaviria hatte sich an Greipel verbeimogeln wollen und stieß dabei auch mit dem Kopf. Aber auch der bullige deutsche Exmeister setzte seinen Körper ein. Marcel Kittel, im Vorjahr fünfmaliger Etappensieger, war im Finale wieder nicht zu sehen und fuhr auf Rang 15.

Groenewegen nutzte den wahrscheinlich vorletzten Massensprint der Tour zu seinem zweiten Etappensieg. Der Niederländer, der bereits am Vortag in Chartres Schnellster war. «Heute habe ich beim Schlusssprint Greipel gesehen. Da habe ich gedacht: Jetzt muss ich was tun. Das habe ich gemacht, und ich habe gewonnen», schilderte der Tagessieger die letzten Sekunden des Rennens.

Kittel verlor seine beiden Anfahrer Tony Martin und Rick Zabel durch einen Massensturz knapp 17 Kilometer vor dem Ziel. Sie schafften den Anschluss nicht mehr. Jetzt hätte Kittel theoretisch nur noch im Finale am 29. Juli auf den Champs Élysées Chancen auf seinen ersten diesjährigen Etappenerfolg. Bei Martin bestand der Verdacht auf einen Rippenbruch, er wurde zur Untersuchung gefahren.

In Kittels Katusha-Alpecin-Team herrscht weiter ein Reizklima. Im Mittelpunkt der Dikussionen standen die Mannschaftsleitung und der Topsprinter, der seinen hohen Ansprüchen hinterherfährt. Die in der «L’Équipe» zitierte Äußerung von Teamchef Dimitri Konyschew sorgte für Unruhe. Der Ex-Profi aus Russland nahm kein Blatt vor den Mund: «Marcel verdient bei uns viel Geld und denkt nur an sich. Bei der Teambesprechung vor dem Teamzeitfahren in Cholet spielte er mit seinem Handy und demonstrierte sein Desinteresse».

Kittel-Manager Jörg Werner, der sich am Ruhetag am Montag um ein klärendes Gespräch bemühen will und Verhandlungen über Martins Vertragsverlängerung führen wird, war in seinen Äußerungen am Samstag wenig diplomatisch. Er nannte Teile der Mannschafts-Führung «Old School», mahnte den fehlenden Teamspirit an und sprach von einer Teilung zwischen der vierköpfigen (deutschen) Sprinter-Fraktion um Kittel und den übrigen vier Fahrern, die sich um den für das Gesamtklassement vorgesehenen Ilnur Zakarin kümmern sollen.

Werner schwärmte von vergangenen Zeiten, in denen sein Schützling noch für das belgische Quick-Step-Team fuhr, in dem jetzt der Topsprinter Gaviria für Furore sorgt. «Bei Quick-Step herrscht eine gute Stimmung, auch die Klassementsfahrer Alaphilippe und Jungels unterstützen den Sprinter. Radfahren hat auch etwas mit dem Kopf zu tun», sagte er am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Bora-hansgrohe-Teamchef Ralph Denk sucht dringend für die nächste Saison «ein deutsches Aushängeschild». Vielleicht findet er es in Tony Martin. «Wir sprechen erst einmal mit Katusha-Alpecin», sagte Werner.

Fotocredits: Peter Dejong
(dpa)

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