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Schach-WM: Wladimir Kramnik, der Herausforderer, im Porträt

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Wladimir Kramnik konterte und verschob die Entscheidung bei der Schach-WM in Bonn: Der Herausforderer bezwang Viswanathan Anand in der 10. Partie und verkürzte auf 4:6. „Meine Aussichten haben sich heute verbessert, aber meine Chancen sind immer noch sehr weit entfernt von 50 Prozent. Es war heute eine sehr seltsame und ganz delikate Stellung. Ich bin froh, dass ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe“, sagte Kramnik. Nervenstärke indes hat der russische Herausforderer in seiner Karriere schon häufiger gezeigt.

Kramnik, geboren in Tuapse am Schwarzen Meer, stammt aus einer intellektuellen Künstlerfamilie. Sein Vater ist Maler und Bildhauer, seine Mutter Musiklehrerin.

Gerade fünf Jahre alt, trat er der Schachsektion im örtlichen Pionierpalast bei. Mit elf Jahren wurde er Meisterkandidat und siegte als Zwölfjähriger bei der Landesmeisterschaft der Sowjetunion in seiner Altersklasse. Sein erster internationaler Erfolg war 1991 der Sieg bei der WM in der Altersklasse U 18. Seit 1993 ist Wladimir Kramnik Schach-Großmeister.

Im Jahr 2000 besiegte Kramnik den damaligen Weltmeister Garri Kasparow, der mutmaßlich stärksten Schachspieler aller Zeiten, und bestieg mit nur 25 Jahren den Schach-Olymp. In der Weltrangliste kam er an Kasparow hingegen nicht heran.

Als Kramnik seinen Titel 2004 gegen den Ungarn Peter Leko verteidigte, rettete er sich nervenstark in letzter Minute in ein Remis und verteidigte den Titel. Vor zwei Jahren behielt er dann gegen den Bulgaren Wesselin Topalow in einem Schnellschach-Stechen den kühleren Kopf. 2007 schaffte es Kramnik nicht, seinen Titel in der diesmal als Rundenturnier ausgetragenen WM in Mexiko zu verteidigen, es gewann der Inder Anand.

Kramnik hat sich intensiv auf das Duell gegen Anand vorbereitet. Zwei Monate trainierte er in der Vulkaneifel mit seinen Sekundanten, neben Leko sein Landsmann Sergei Rubljewski und der Franzose Laurent Fressinet. Um auch physisch fit zu sein, zog er jeden Tag seine Bahnen im Schwimmbecken, bis zu eineinhalb Kilometer legte er zurück. Bei aller Rivalität schätzen sich Kramnik und Anand. Der 33-Jährige Russe betonte vor dem Duelle der Superhirne: „Diese Veranstaltung wird gentlemanlike ablaufen. Der Kampf wird am Brett entschieden und nicht durch irgendwelche Psycho-Mätzchen.“

Privat hat der  Russe sein Glück gefunden, er ist mit einer Journalistin verheiratet und lebt mit ihr seit sieben Jahren in Paris.

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