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Bayerns geschrumpfte Kraftprobe mit Atlético

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München – Das große Spiel ist zum Prestigeduell geschrumpft.

Statt um den Gruppensieg kann der FC Bayern am Dienstagabend (20.45 Uhr) in der Champions League gegen Atlético Madrid nur noch um sein Ansehen in Europa, 1,5 Millionen Euro Siegprämie und vor allem um zusätzliches Selbstvertrauen für den wichtigen Jahresendspurt in der Fußball-Bundesliga kämpfen. «Die Motivation ist sehr hoch, wenn man gegen einen so starken Gegner spielt», sagte Carlo Ancelotti. Der zarte Aufwärtstrend soll fortgesetzt werden, ergänzte der Trainer: «Nach unseren letzten zwei Siegen wollen wir da weitermachen.»

Natürlich liegt der Fokus beim deutschen Rekordmeister auf den drei noch ausstehenden Aufgaben in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg, in Darmstadt und zum Abschluss gegen Spitzenreiter RB Leipzig. Als Tabellenerster zu überwintern, dieses Ziel genießt Priorität.

Ein Erfolg gegen Atlético – es wäre der 15. Heimsieg am Stück in der Königsklasse – wäre wenige Tage vor der Achtelfinalauslosung eher ein symbolisches Signal an Europa. «Wir können uns mit einem sehr starken Gegner messen», sagte Bayerns spanischer Mittelfeldspieler Thiago zum Reiz der Partie vor 70 000 Zuschauern. Das Halbfinal-Aus vor sieben Monaten spiele dagegen keine Rolle mehr: «Das ist Vergangenheit.»

Am spannendsten aus Bayern-Sicht ist am 6. Spieltag, welche Vereine als Gruppensieger und damit potenzielle Münchner Gegner in die erste K.o.-Runde einziehen. Bislang stehen der FC Barcelona, AS Monaco und Leicester City als mögliche Achtelfinal-Kontrahenten fest. Die vier weiteren Optionen – Gruppengegner Atlético scheidet aus – werden erst am Dienstag und Mittwoch ermittelt. Real Madrid, Paris St. Germain oder Juventus Turin sind als weitere schwere Brocken neben Barcelona möglich, aber nicht mehr Manchester City mit Pep Guardiola.

Ancelotti kündigte nach dem Training an, einige Wechsel im Vergleich zum jüngsten 3:1 in Mainz vorzunehmen: «Wir wollen mit einem hohen Rhythmus spielen, dafür brauche ich frische Spieler.»

Nationalspieler Jérôme Boateng fällt mit Schulterproblemen aus. Weitere Spielpraxis soll unter anderem der zuletzt verletzte Arturo Vidal erhalten. «Ich glaube, es ist wichtig, ihm Minuten zu geben», sagte Ancelotti. Spannender als die Aufstellung erscheint die Frage, ob der Italiener am 4-2-3-1-System festhält, auf das er beim Erfolg in Mainz erstmals gesetzt hatte. «Es gibt eine große Diskussion?», sagte Ancelotti lächelnd zur aufgeregten Systemdebatte.

Sein Team habe die Qualität, verschiedene Systeme zu spielen. Das 4-2-3-1, in dem er in Mainz erstmals die vier Offensivstars Lewandowski, Müller, Ribéry und Robben zusammen unterbringen konnte, gebe dem Angriffsspiel «mehr Tiefe». Das von ihm bevorzugte 4-3-3 bringe dagegen mehr Ballbesitz, im Idealfall auch mehr Stabilität.

Gerade Thomas Müller kam in Mainz in der mehr zentralen Rolle als zweite Spitze besser zur Geltung. «Da kann er in den Räumen rumwühlen, wie er möchte», bemerkte Teamkollege Mats Hummels. «Es hat phasenweise schon sehr lebendig gewirkt», kommentierte Müller.

Ancelotti könnte die offensivere Variante gegen Atlético weiter einspielen – gerade auch mit Blick auf das wirklich große Kräftemessen mit dem neuen nationalen Herausforderer aus Leipzig im letzten Spiel des Jahres am 21. Dezember in der Münchner Arena.

Atléticos impulsiver Trainer Diego Simeone reiste mit allen Stars nach München. Mit einem Sieg könnte dem letzmaligen Finalisten erstmals das Kunststück gelingen, alle sechs Gruppenspiele in der Champions League zu gewinnen. Bayern-Schreck Antoine Griezmann ist zwar in der spanischen Meisterschaft seit mehr als 600 Spielminuten ohne Treffer, in der Königsklasse aber hat der Franzose in den letzten zwei Partien drei der vier Atlético-Treffer erzielt. «Es geht nicht nur ums Prestige», kündigte Bayerns Spanier Thiago an.

Fotocredits: Andreas Gebert
(dpa)

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