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Löw setzt gegen Russland auf sein Weltmeister-Gerüst

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Düsseldorf – Joachim Löw riskiert gerne viel, aber beim großen WM-Test gegen die wiedererstarkten Spanier geht auch er lieber auf Nummer sicher.

Der Bundestrainer wird am Freitag ein «Gerüst» mit fast allen aktuell verfügbaren Fußball-Weltmeistern aufbieten und personelle Experimente zum Jahresauftakt weitgehend zurückstellen. Das gilt auch im Tor, in dem sich in Abwesenheit von Kapitän Manuel Neuer dessen Kronprinz Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona als Nummer 1 für Russland empfehlen darf.

«Es ist klar, dass wir genau hinschauen werden, wer uns mit Leistung überzeugt und in der Lage ist, eine Topleistung abzurufen im Sommer», sagte Löw am Donnerstag vor dem Abschlusstraining. «Das wird ein dicker Brocken», ergänzte ter Stegen, für den im ausverkauften Düsseldorfer Stadion ebenso wie für Real-Madrid-Star Toni Kroos ein «besonderer» Abend ansteht. «Wir wollen uns zeigen», versprach ter Stegen den deutschen Fans: «Wir wollen ein erfolgreiches Spiel.»

Ein entspannter Löw hielt im Raum «Aristoteles» des Hilton-Hotels zur Mittagszeit eine WM-Rede, in der er die Anforderungen aufzählte, die er zuvor auch den Spielern verkündet hatte. «Etwas Größeres als eine WM gibt es nicht. Die Spieler müssen sich rüsten – körperlich und mental. Ich brauche 23 Spieler, die Leistung abrufen können, die Teamfähigkeit, Toleranz und Einfühlungsvermögen besitzen.»

Löw verfolgt nur ein Ziel, den erneuten WM-Triumph am 15. Juli in Moskau. «Uns läuft auch ein bisschen die Zeit davon. Es ist gut, dass wir jetzt zwei Länderspiele haben gegen Mannschaften, die zu den absoluten Favoriten in Russland zählen», sagte Löw. Und er fügte in eindringlichem Tonfall sein WM-Mantra hinzu, wonach eine erfolgreiche Titelverteidigung viel schwerer sei als der Titelgewinn vor vier Jahren in Brasilien. «Wir wissen, das Turnier in Russland wird uns Übermenschliches abverlangen», verkündete Löw: «Wir brauchen eine bessere Mannschaftsleistung als 2014. Wir sind die Gejagten!»

Der Probelauf gegen Spanien und vier Tage später in Berlin gegen Brasilien bietet Löw eine große Standortbestimmung, auch wenn er einschränkte: «Beide Mannschaften werden die Karten nicht offen auf den Tisch legen. Bei der WM würde es gegen Spanien ein anderes Spiel.» Aber es wird auf beiden Seite ein Starensemble auflaufen.

«Das Gerüst mit Jérome Boateng, Mats Hummels, Thomas Müller, Mesut Özil, Toni Kroos beginnt», verriet der Bundestrainer entgegen der üblichen Praxis schon vorab. Das Freundschaftsspiel sei «kein weltbewegendes Ereignis», meinte Taktgeber Kroos. Trotzdem ist zu viel Prestige im Spiel, um mit einer gewagten Aufstellung ein böses Erwachen zu erleben. «Spanien ist eine Top-Nation», mahnte Löw.

Es ist für die 24 verfügbaren Akteure – Emre Can hat Rückenprobleme, Sebastian Rudy fehlt wegen erwarteter Vaterfreuden – auch eine Art WM-Bewerbungsspiel. «Das ist ein Test für jeden, sich zu empfehlen», sagte ter Stegen. Der 25-Jährige erhielt von Löw ein Sonderlob für seinen Reifeprozess zum Weltklassetorwart und zu einer Persönlichkeit. «Marc ist in Barcelona noch Mal gewachsen. Dieser Torwart ist sehr ruhig und gelassen und fokussiert. Er ist auf alles vorbereitet.»

Sogar auf die Nummer-1-Rolle beim Turnier, falls sich Konkurrent Neuer nach seinem Mittelfußbruch nicht pünktlich zurückmelden kann. «Ich möchte einfach gut vorbereitet sein. Dann schauen wir mal», sagte ter Stegen noch zurückhaltend zur WM. Am Ende wird ohnehin Löw die Torwartfrage entscheiden. «Manuel liegt absolut im Fahrplan. Es ist geplant, dass er diese Saison noch bei Bayern spielt», sagte er.

Gegen Spanien dürfte das Weltmeistergerüst unter anderem ergänzt werden vom Rückkehrer Jonas Hector auf der linken Abwehrseite. Im Angriff sollte Confed-Cup-Sieger Timo Werner beginnen. Löw kündigte aber schon mal an, dass sich auch Mario Gomez und Sandro Wagner in den zwei Testspielen für ein Ticket nach Russland empfehlen dürfen.

«Ich werde beiden einen Einsatz ermöglichen», sagte Löw: «Mario Gomez war in sehr guter Form in der Rückrunde, hat für Stuttgart einige Tore geschossen. Aber Sandro Wagner hat bei Bayern auch Tore gemacht, wenn er gespielt hat.»

Die Liste der WM-Kandidaten umfasst mehr Spieler als die aktuell eingeladenen 26 Akteure. Aber klar im Vorteil sind die, die sich gegen Spanien und Brasilien aktiv empfehlen können. Das verdeutlichte Löws klare Absage etwa an Philipp Max. Der Linksverteidiger, der beim FC Augsburg eine starke Bundesligasaison absolviert, spiele «für die WM keine Rolle». Auch Mario Götze und André Schürrle sind klar ins Hintertreffen geraten. Ein Sonderfall stellt allein ihr Dortmunder Kollege Marco Reus dar. «Bei ihm muss immer auch die Gesundheit im Vordergrund stehen», betonte Löw. Der Tag der Wahrheit kommt erst am 15. Mai bei der Bekanntgabe des WM-Kaders – übrigens in Dortmund.

Fotocredits: Ina Fassbender
(dpa)

(dpa)

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