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Löw will historischen Italien-Hattrick

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Rom – In Joggingschuhen und mit großer Sonnenbrille trat Joachim Löw aus dem Teamhotel. Mit dem guten Gefühl einer bislang perfekten WM-Qualifikation konnte der Bundestrainer das Touristenwochenende mit seinem Weltmeister-Team in Rom so richtig genießen.

«Heute geht es ins Kolosseum. Italien ist erst morgen wieder wichtig», sagte er der Deutschen Presse-Agentur vor der Abfahrt zur Stadtrundfahrt in zwei blassgelben Bussen. Nur die Motorrad-Eskorte der Polizei deutete beim Start unweit der Villa Medici auf die prominente Reisegruppe hin.

Aus Vorfreude auf den Besuch bei Papst Franziskus wurde nach dem 8:0 in San Marino sogar der zum Jahresabschluss mögliche historische Sieg-Hattrick gegen den einstigen Angstgegner Italien im Test am Dienstag (20.45 Uhr) für den Bundestrainer zweitrangig.

«Das ist etwas Außergewöhnliches. Ich war vor einigen Jahren im Vatikan. Das hat mir sehr imponiert. Was da für eine Geschichte dahintersteckt, was für eine Schönheit auch. Das ist für jeden Spieler, für uns alle, eine außergewöhnliche Sache», sagte Löw vor der am Montag gleich nach dem Frühstück geplanten Audienz beim Heiligen Vater im Apostolischen Palast.

Der Rom-Abstecher hatte gesellig begonnen. Bis nach Mitternacht feierte das Weltmeisterteam am Samstagabend in einem von Trainer-Azubi Miroslav Klose ausgesuchten Restaurant – inklusive lustiger Spielchen wie einer MannequinChallenge, bei der alle plötzlich wie zu Eis erstarrt verharren mussten. Die lustigen Bilder, wie Mats Hummels Benedikt Höwedes spaßeshalber würgt oder Löw-Assistent Thomas Schneider einen tiefen Schluck aus der Pulle nimmt, postete der DFB am Sonntag per Video.

Ausnahmsweise spielte der Fußball mal keine Rolle. Sightseeing statt Taktiktafel, war das Motto am Sonntag. Und das vor dem immer brisanten Testduell gegen den Dauerrivalen Italien in Mailand. «Das ist gut für den Teamgeist. Ich finde Rom von der Geschichte unheimlich interessant. Es gibt wahnsinnig viel zu sehen», sagte Löw.

Auf den Spuren der Illuminati oder in der Sixtinischen Kapelle wandelten Mario Gomez und Co. Thomas Müller sprang als einziger im Trainingsanzug und noch mit einem Croissant in der Hand als letzter in den Touristenbus. Mario Götze machte sich derweil schon seine Gedanken über den Papstbesuch. «Ich hoffe, er reißt mir den Kopf nicht ab», sagte der WM-Siegtorschütze über die Visite bei dem als Fußball-Fan bekannten Argentinier.

Ganz bewusst nutzte DFB-Chefcoach Löw die kurze Pause zwischen dem einkalkulierten Kantersieg in Serravalle in der optimal laufenden Ausscheidungsrunde Richtung Russland 2018 und dem letzten Länderspiel 2016 im Fußball-Tempel von San Siro. Löw will Reizpunkte gegen den ewigen Profi-Trott zwischen Hotel und Trainingsplatz setzen. Einen Spannungsabfall befürchtet er dabei nicht. Im Gegenteil: «Wir werden das Testspiel sicher ernst nehmen», betonte der 56-Jährige.

So ganz kann der Weltmeister-Coach die sportlichen Belange eben nicht beiseite schieben. «Zum Abschluss ein Sieg gegen Italien, das wäre natürlich wünschenswert und schön», sagte Löw. Gegen den Erzrivalen ist eine historische Bestmarke möglich. Noch nie wurde Italien von Deutschland in 34 Spielen seit 1923 dreimal in Serie bezwungen, geschweige denn in einem Kalenderjahr. «Wenn ein Sieg möglich ist, dann wollen wir den auch anstreben», sagte Löw.

2016 steht bislang das 4:1 von München im März und der erste Pflichtspielsieg im EM-Viertelfinale von Bordeaux mit 6:5 im Elfmeterschießen zu Buche. «Es ist immer ein Klassiker. Italien hat eine sehr gute Mannschaft. Man hat es schon im Hinterkopf. Deshalb ist vielleicht ein Zacken mehr Brisanz drin», erinnerte Götze an die dramatische Partie in diesem Sommer. In Italien gewann das DFB-Team zudem seit mehr als 30 Jahren nicht mehr.

Spätestens auf dem kurzen Flug von Rom nach Mailand schaltet Löw wieder in den Bundestrainer-Modus um. Die entspannte Situation in der WM-Qualifikation als souveräner Spitzenreiter der Gruppe C erlaubt ihm, seinen für die ersehnte WM-Titelverteidigung entworfenen Jugendplan kompromisslos durchzuziehen. «In jedem Fall wird die Mannschaft verändert werden. In allererster Linie geht es mir darum, noch einmal den einen oder anderen Spieler zu sehen, in einem Spiel, in dem man richtig gefordert wird. Diese Erkenntnisse sind mir wichtig», erläuterte er seine Vorstellungen.

Der gegen San Marino so blendend aufgegangene Serge-Gnabry-Effekt mit den drei Toren des jungen Bremers soll im San Siro schon fortgeführt werden. Der Wolfsburger Yannick Gerhardt könnte dann zum Neuling Nummer 86 in der Ära Löw werden, Hoffnungsträger wie Gnabry, Leverkusens Benjamin Henrichs oder die Schalker Leon Goretzka und Max Meyer könnten gegen einen ernsthaften Gegner Wettkampfhärte bekommen.

San Marino, das war bei aller Freude über Löws zweithöchsten Sieg als Bundestrainer durch die Tore von Sami Khedira (7. Minute), Gnabry (9./58./76.), Jonas Hector (32./65.), Mattia Stefanelli (82./Eigentor) und Kevin Volland (85.) einfach kein Maßstab. «Der Romantiker sagt, solche Fußballspiele gehören auch dazu. Andererseits ist es als Spieler sehr mühsam», sagte der torlose Müller.

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:

Leno – Höwedes, Mustafi, Hummels – Kimmich, Weigl, Gündogan, Hector – Müller, Götze – Gomez

Fotocredits: Arne Richter
(dpa)

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