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Wer beendet die Monokultur im Fußball?

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Zürich – Die kleine deutsche Fraktion verabschiedete sich bester Laune aus Zürich. Toni Kroos und der braungebrannte Manuel Neuer präsentierten nach der Gala ihre silbernen Weltfußballer- Trophäen im Miniformat für die Wahl in die beste Elf.

«Es ist eine Ehre für mich, zum vierten Mal dabei zu sein», schwärmte Neuer, der stolz mit seiner Freundin Nina Weiss über den grünen Teppich schritt. «Das ist eine besondere Auszeichnung.»

Als einziger durchbrach der Bayern-Keeper in der Top-Formation von 2016 die Phalanx der Profis, die vergangenes Jahr für die Branchenführer Real Madrid oder FC Barcelona aufliefen. Und beim Hauptpreis für Cristiano Ronaldo waren die Schützlinge von Bundestrainer Joachim Löw nur Zuschauer: Als bester Deutscher kam Toni Kroos bei der Weltfußballerkür auf den zehnten Platz. «Es ist immer auch so eine Meinungssache und eine Markensache», sagte der Real-Profi zu den Awards. «Aber es geht auch um Leistung.»

Seit nun schon neun Jahren geht die höchste Auszeichnung des Weltverbands nur an Ronaldo oder Lionel Messi. Auch nach dem Weltmeister-Titel von 2014 schaffte es lediglich Neuer auf Platz drei, letzter deutscher Feldspieler unter den Top drei war Jürgen Klinsmann 1995. «Es war schon früher so, dass viele Spieler von Real Madrid und Barcelona dabei sind, weil sie viele Stimmen bekommen, weil die Vereine in der ganzen Welt beliebt sind», sagte Neuer. «Dennoch ist es so, dass die Möglichkeit da ist und wir versuchen werden, im nächsten Jahr mit einer Mehrzahl anzugreifen.»

Aber wer könnte die «Monokultur» beenden und Ronaldo & Messi als Dominatoren des Weltfußballs ablösen? Eine Analyse der Chancen der nationalen und internationalen Stars:

TONI KROOS: Als Spieler von Real ist der 27-Jährige der derzeit weltweit wohl am meisten beachtete deutsche Profi. Doch Kroos glänzt vor allem als Vorbereiter der Großtaten seiner Kollegen Ronaldo, Gareth Bale oder Karim Benzema. Bei den Popularitätswahlen zählen aber vor allem Tore.

MANUEL NEUER: Besser als bei der WM in Brasilien kann ein Torwart kaum halten. Für den 30-Jährigen der nächste Schritt zu weltweiter Anerkennung. Doch ein Keeper schaffte es bei der FIFA-Kür noch nie auf den ersten Platz.

NEYMAR: Der ideale Kronprinz. Fünf Jahre jünger als der 29-jährige Messi, ebenfalls mit hohem Vermarktungspotenzial. Schwächelt diese Saison allerdings nach dem emotional aufreibenden Olympiasieg in seiner brasilianischen Heimat. Muss beweisen, dass er auch einen Verein als absoluter Leader anführen kann.

ANTOINE GRIEZMANN: Frankreichs EM-Liebling durfte Ronaldo als Drittplatzierter auf der Gala-Bühne gratulieren. Noch geht dem schüchtern auftretenden 25-Jährigen aber die Grandezza der ganz Großen ab. Müsste für die nächste Stufe wahrscheinlich den Schritt weg von Atlético Madrid wagen.

ROBERT LEWANDOWSKI: Dass ihm persönliche Auszeichnungen durchaus wichtig sind, zeigen Äußerungen des Bayern-Torjägers in sozialen Netzwerken. Der ganz große Traum ist die Weltfußballer-Trophäe. Doch mit der polnischen Nationalmannschaft kann der 28-Jährige aufgrund der mangelnden Extraklasse seiner Teamkollegen zu wenig glänzen.

PIERRE-EMERICK AUBAMEYANG: Auf den ersten Blick eine abwegige Idee. Dieses Jahr schaffte es der BVB-Stürmer nicht einmal auf die Nominierungsliste der letzten 23. Zudem ist der Gabuner mit 27 Jahren womöglich schon nah am Zenit seiner Karriere. Sollte sich ein Wechsel zu Real Madrid jedoch realisieren und er dort die Nachfolge von Ronaldo antreten, dürfte seine globale Vermarktung durch das schillernde Auftreten ein Leichtes sein.

Fotocredits: Francisco Seco
(dpa)

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